Aktuell: Costa Concordia, Abpumpen beginnt
Grosseto - Einen Monat nach der Havarie der «Costa Concordia» hat das Abpumpen des Treibstoff aus den Tanks des Schiffs begonnen. Gestern Sonntag hat Italiens Präsident Giorgio Napolitano bei einem Gedenkgottesdienst in Rom sein tiefes Bedauern über das Unglück ausgedrückt und lobte die Arbeit von Rettern und Tauchern. Diese hätten alles getan, um Überlebende zu retten und Tote zu bergen.
Die Wetterbedingungen vor der Insel Giglio haben sich schneller gebessert, als erwartet. Deshalb wurden die Arbeiten von Montag auf Sonntag vorverschoben, teilten die Behörden mit. In den Tanks der «Costa Concordia» sind etwa 2300 Tonnen Treibstoff, überwiegend Schweröl. Sollte das Öl auslaufen, befürchten Experten eine Umweltkatastrophe. Die Vorbereitungen für das Abpumpen laufen seit Wochen, jedoch machte schlechtes Wetter den Bergungsexperten der niederländischen Firma Smit stets einen Strich durch die Rettung. Für Krisenstableiter Franco Gabrielli stellt das Öl auf dem Kreuzfahrtschiff nach wie vor eine grosse Bedrohung dar. Sollte es Auslaufen, hätte es für die gesamte Region eine Umweltkatastrophe zur Folge.
Der Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Angelo Bagnasco, mahnte, noch müsse die ganze Wahrheit über das Unglück ans Licht kommen und der Gerechtigkeit Genüge getan werden. «Das ist notwendig, um die Wunden zu heilen und das Vertrauen wiederherzustellen.» Die «Costa Concordia» war am 13. Januar mit mehr als 4200 Menschen an Bord vor Giglio auf einen Felsen gefahren und gekentert. Bislang wurden 17 Leichen geborgen. 15 Menschen werden noch vermisst, darunter sechs Deutsche. Kapitän Francesco Schettino steht unter Hausarrest. Dem 52-Jährigen werden unter anderem mehrfache fahrlässige Tötung und Verlassen des Schiffes während der nächtlichen Evakuierung vorgeworfen.
Die italienische Reederei Costa Crociere, Betreiberin des Kreuzfahrtschiffs «Costa Concordia», bangt um ihre Zukunft. Nach der Katastrophe vor der toskanischen Insel Giglio habe die Gesellschaft einen 35-prozentigen Rückgang bei der Reservierung neuer Kreuzfahrten gemeldet. «Wenn die Costa nicht als Gesellschaft Pleite geht, könnte sie als Marke bankrottgehen. Unsere Marke ist zerstört worden», klagte Costas Geschäftsführer Pierluigi Foschi in einem Interview mit der Turiner Tageszeitung «La Stampa».
13.2.2012