10. März 2010
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Go-Italy im Gespräch mit Dr. Andrea Lotti

Dr. Andrea Lotti, Generalsekretär der Italienischen Handelskammer für die Schweiz (CCIS)

Herr Lotti, zum Einstieg: Erzählen Sie uns bitte etwas über Ihre Schritte, die Sie von der Toscana in die Schweiz gebracht haben.
Von der Toskana bin ich nach Mailand gezogen. Dort habe ich meine Frau geheiratet. Meine Frau ist Schweizerin und sie wollte immer in ihre Heimat zurück. Nach einigen anderen Stationen bin ich schliesslich gemeinsam mit meiner Frau zurück in die Schweiz gezogen.

Als Generalsekretär der Italienischen Handelskammer für die Schweiz (CCIS) stehen Sie in täglichem Kontakt mit schweizer und italienischen Unternehmern. Was kennzeichnet den wirtschaftlichen Austausch dieser zwei Länder?
Zwischen den zwei Ländern gibt es über 40 Mrd. CHF Waren-und Dienstleistungsaustausch. Unsere Aufgabe ist es, diesen Austausch weiter zu verbessern und zu vergrössern. Als ich vor zwanzig Jahren als Generalsekretär hier begonnen habe waren die italienischen Weine auf der letzten Seite der Weinkarte der Züricher Restaurants zu finden. Heute exportiert Italien 64 Millionen Liter Wein in die Schweiz und der italienische Wein ist der meistgetrunkene Wein in der Schweiz und hat somit den französischen Wein um 15 Millionen Liter überholt.

Welches sind die TOP-Sektoren im Export von Italien in die Schweiz?
Wenn ein Schweizer an italienische Produkte denkt, so denkt er meistens an Lebensmittel. Insgesamt beträgt der Export 22 Mrd. CHF und das sind nicht nur Pizzas, Orangen oder Mozarellas. An erster Stelle befinden sich die Chemie-, Pharmabranche, die Elektro-und die Textilienbranche. Einen hohen Stellenwert haben auch die Biotechnologie, die Luftfahrt- und die boomende Branche ¨Neue Energien¨.

Sie sind ein tiefer Kenner beider Länder, auch im kulturellen Sinne. Hat die italienische Kultur direkt oder indirekt Ihrer Meinung nach die Kultur der Schweizer beeinflusst?
Italien ist ein Land mit enormen kulturellen Schätzen. Mehr als 65% des Weltkulturerbes befindet sich in Italien. Somit ist es fast unmöglich, dass Italien andere Länder nicht beeinflusst. In der Schweiz ist der Einfluss sicherlich grösser, weil die italienische Sprache eine Amtssprache ist. Und wir wissen alle, dass die Sprache ein Mittel ist, das die Menschen verbindet. Ein Beispiel ist die Schule ¨Liceo artistico / Schweizerisch-italienisches Kunstgymnasium¨, die jungen Menschen die einmalige Chance gibt, die Kultur und Sprache von beiden Ländern tiefgründig und nachhaltig kennen zu lernen.

Mit welchen Stichwörtern verbindet der Schweizer üblicherweise die ¨Italianità¨?
Generell liebt der Schweizer den italienischen Lebensstil und alles mit italienischen Wurzeln in der Schweiz wird sehr geschätzt. Lebensmittel wie bereits erwähnt Wein, Olivenöl und z.B. Käse, aber auch Spirituosen wie Grappa sind sehr beliebt. Nicht zu vergessen die italienische Mode, grosse Namen wie z.B. Armani, Gucci oder Ferragamo.

Wo findet man Ihrer Meinung nach in Zürich diesen speziellen italienischen Lebensstil am besten?
Machen Sie einen kleinen Spaziergang in Zürich, und sie merken an jeder Ecke die permanente Präsenz des ¨Made in Italy¨. Die elegantesten und elitärsten Boutiquen haben italienische Namen, in vielen Restaurants findet man auf der Karte die typischen italienischen Rezepte, den erwähnten erstklassigen Wein und natürlich Kaffee Espresso. Der italienische Lebensstil begleitet die Schweiz von morgens bis abends. Es beginnt mit einem Kaffee und kann mit einer Grappa enden.

Sie sind sicherlich mit Ihrer Aufgabe und Verantwortung sehr eingebunden. Trotzdem finden Sie die Zeit zu malen und zum Motorradfahren. Wie bringen Sie das alles unter einen Hut?
Ich bin ein vielseitig interessierter Mensch. Vor Jahren habe ich mich aktiv mit Skizzen und Aquarellen beschäftigt, aber alles nur zum Ausgleich und zum Entspannen. Das Motorradfahren bedeutet für mich Freiheit und Abenteuer.

Gibt es etwas materielles in Ihrem täglichen Leben mit italienischen Wurzeln, ohne das Sie nicht leben können?
Ich könnte sicherlich nicht auf meine Zigarre verzichten, obwohl Zigarren sicherlich nichts typisch italienisches sind, das Rauchen selber aber eher schon. Wegen meinem Gesundheitsbewusstsein muss ich leider sehr diszipliniert auf ¨spaghetti alla carbonara¨ und ¨spaghetti alla matriciana¨ verzichten. Glauben Sie mir, das ist für mich eine wahre Herausforderung.

Zum Schluss zu der immateriellen italienischen Welt. Welche Werte oder Wertvorstellungen haben Sie von der Toskana in die Schweiz mitgebracht, die sie in Ihrem täglichen Leben begleiten?
Ich bin ein echter toskanischer Pragmatiker, sehr präzise und auch fordernd im geschäftlichen Sinne, so z.B. bei meinem Mitarbeiter(innen). Das letztere erbringt mir auf den ersten Blick sicherlich auch Kritik, aber in meiner Karriere war das unter dem Strich immer der richtige Weg.

Herr Lotti, wir bedanken uns recht herzlich für das Gespräch und wünschen Ihnen und der CCIS weiterhin viel Erfolg.

Paola Volk, Januar 2010

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CCIS - eine Institution

Die Italienische Handelskammer für die Schweiz wurde 1909 mit Hauptsitz Zürich gegründet und trägt seither Jahr für Jahr in wesentlichem Masse zur Förderung der Schweizer-italienischen Handelsbeziehungen bei.

Mit Ihren ca. 800 Mitgliedern ist die Italienische Handelskammer für die Schweiz ein unabhängiger Verein des Schweizer Zivilgesetzbuch deren Hauptaufgabe in der Betreuung der Unternehmen die den Austausch zwischen Italien, der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein betreiben, besteht.