18. Mai 2012
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Film: La nostra Vita - zwischen Trauer und Lebenslust.

Ein Film von Daniele Luchetti

Mit Elio Germano, Isabella Ragonese, Raul Bova, Stefania Montorsi, Luca Zingaretti, Riccardo Scamarcio.

La nostra vita (Kino Arthouse Nord-Süd Zürich) verheiratet nun wieder das politisch eingefärbte Sozialdrama mit der Familienkomödie und geht dabei schön melodramatisch zu Werk.

Claudio ist ein Arbeiter aus Rom und lebt mit seinen beiden Söhnen und seiner schwangeren Frau Elena. Das Leben scheint perfekt zu sein. Da stirbt Elena bei der Geburt ihres dritten Jungen. Abrupt sind Claudio und seine drei kleinen Söhne auf sich allein gestellt. Claudio kann den Schicksalsschlag nicht akzeptieren und beginnt sich aufzulehnen.

Allen Widrigkeiten zum Trotz, arbeitet Claudio viel und hart als Polier. Als er Zeuge eines tödlichen Unfalls auf der Baustelle wird, wittert er seine Chance und setzt seinen Boss unter Druck: Entweder der macht ihn zum Subunternehmer, oder Claudio meldet den Todesfall der Polizei und die Baustelle wird geschlossen. Damit setzt er aber eine Reihe von Ereignissen in Gang, die er schon bald nicht mehr unter Kontrolle hat.

Der Film schreckt nicht zurück vor dick aufgetragenen Gefühlen, die Superschnulze „anima fragile“ von Vasco Rossi spielt ganz zu Beginn eine prominente Rolle, zugleich bringt das Figurenarsenal alles zum Klingen, vom rollstuhlfahrenden Drogendealer mit dem grossen Herzen über die grosszügigen Familienmitglieder bis zur Rumänin mit dem sonnigen Gemüt. Die Mechanismen der Geldflüsse, von Kontraktarbeiten, Baukonsortien und Subkontraktoren werden vorgeführt. Das alles ist so realistisch wie idealisiert, der Film ein didaktisches Melodrama, ein Paket saftiger zeitgenössischer Italianità – kurz: Ein gut gemachter, unterhaltsamer Film, ein filmischer Blick von nahezu dokumentarischem Charakter auf eine ‚vita italiana’ ohne Kitsch und bemühte Komik, eine realistische Inszenierung eines italienischen Familien-Alltages zwischen Trauer und Lebenslust.

Nach Mio fratello è figlio unico (Mein Bruder ist ein Einzelkind) gelingt es Daniele Luchetti erneut, ein realistisches Sozialdrama durch die Linse eines einzelnen Familienschicksals zu erzählen. Elio Germano wurde in Cannes zu Recht für seine eindringliche Verkörperung des alleinerziehenden Familienvaters Claudio als "Bester Schauspieler" ausgezeichnet.

Als wärs eine filmische Hommage an den ‚Neorealismo’, die Epoche der wirklichkeitsnahen Filme eines Roberto Rossellini oder Luchino Visconti im Italien der Vierziger Jahre. Nur dass in Daniele Luchettis  neustem Film die Vorstadt-Tristesse in Farbe präsentiert, das Geschehen mit stimmigem Italo-Sound untermalt und der Plot mit etwas gar ‚abenteuerlichen’ Zufällen angereichert wird. „La Nostra Vita“ besticht durch eine detailgetreue, feinfühlige Darstellung familiärer Beziehungen, die nicht nur durch das Fehlen der ‚mama’ auf die Probe gestellt werden, sondern auch durch wirtschaftlich instabile und politisch korrupte Verhältnisse. Die emotionale Wirkung von „La Nostra Vita“ wird jedoch durch den einen Faktor gesteuert, der auch die Filme des Neorealismus auszeichnet: das authentische (Zusammen-) Spiel von Laien- und Profidarstellern.

Von Paola Volk, März 2011

Link Trailer

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