22. Mai 2012
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Die Gegensätze „meiner Beiden“

Die Schweiz und Italien haben vieles gemeinsames. Vor allem in der letzten Zeit, seit dem die wachsende Globalisierung es ermöglicht hat  Pesto oder Baci Perugina in Hitzkirch zu kaufen, wie  Gruyere und Toblerone in San Nicolò a Tordino (TE).
Trotzdem bleiben gewisse Merkmale, Produkte und Besonderheiten  unauffindbar. Und so gegensätzlich. Die Italiener sind bekanntlich offener als die Schweizer, plaudern und essen gerne, kennen wenig den Stress und  gelten als unpräzise, kreative Menschen.
Die Schweizer sind hingegen wegen der Pünktlichkeit bekannt, schliesslich handelt es sich um die Uhrmacher der Welt. Das musste ich mir  schon öfters anhören: „Sicher, wegen deiner Verspätungen würde man nicht sagen, dass du schweizerischen Blut in dir hast!“ Tja..man kann ja nicht perfekt sein ;-)
Hier in der Schweiz sind die Leute eher verschlossener und sitzen nicht gerne stundenlang an einem Tisch, feiern meistens in engerem Kreis und führen ein geordnetes Leben, gemäss Zeitangaben der überall antreffbaren Uhren.
Geht es um etwas Schlimmes, wie ein Delikt, einen Unfall oder einen Mord, sorgt die Polizei für eine rasche Anzeige, in der nach Zeugen oder Informierten gesucht wird. Die Leute, hier in der Schweiz, schauen dafür, dass alles ordentlich bleibt und jedes komisches Vernehmen eliminiert wird.  Passiert so etwas in Italien, ändert sich das Szenarium und niemand, nie, und aus keinem Grund hat jemand etwas gesehen oder gemacht. Das bleibt für mich unerklärlich: Wie können die selben Menschen, die mich zum Essen eingeladen haben und die mit mir gefeiert haben das Gleiche tun, als wäre nichts passiert, wenn sie genau wissen, wer das Schlimme getan hat? „Lieber Leben als riskieren, tut mir leid!“ wäre ihre Antwort. Und die bekannte Offenheit scheitert zu unerträgliche Stille.

Eva Gallo, September 2010

Eva Gallo

Diese Schriften erzählen die Erlebnisse von Eva Gallo, Wirtschaftsjuristin, Freelance Redakteurin und vieles mehr! Nachdem Sie einige Zeit in Italien gelebt hat, erlebt sie momentan die Schweizerrealität. So oft wie möglich ist sie unterwegs und kehrt mehrmals jährlich zurück nach Italien. Somit erlebt sie die Freude von beiden Realitäten, im guten und im schlechten Sinne!