22. Mai 2012
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Michelle Hunziker: „Alle meine Kindheitserinnerungen verbinde ich mit der Schweiz“

Michelle Hunziker im Exklusivinterview für GO-Italy. Von Sarah Coppola-Weber

Sie spricht fünf Sprachen, ist als Tochter einer Holländerin und eines Tessiners in der Schweiz aufgewachsen und macht ihrer Rolle als Show Girl alle Ehre: Michelle Hunziker. Ihr Name ist in aller Munde und praktisch täglich in der Presse. Und doch ist die Wahrscheinlichkeit, mit ihr ein Interview zu führen, so gering, wie etwa am Nordpol auf Südfrüchte zu stossen.  „Michelle non rilascia interviste a nessuno“ – Michelle würde keine Interviews geben, lautete bis vor Kurzem die Standard-Antwort ihres italienischen Managements.

Ciao Michelle, endlich können wir dich treffen! Seit wir versuchen, mit dir ein Interview zu bekommen – und das seit über vier Jahren – bist du total in deinem Job absorbiert…
….was, vier Jahre??! Freut mich…Dann ist es ja gut, dass wir uns endlich erwischt haben! (lacht) – Certo!

Sag mal, gönnst du dir  eigentlich nie eine Pause? Und wird dir die ganze Popularität nicht manchmal zuviel?
Nein, ich habe eine grosse Leidenschaft für meine Arbeit, es ist anstrengend, macht mir aber unheimlich Spass. Ich schätze mich glücklich, einen so interessanten Job machen zu dürfen.  Und ich pausiere schon auch ab und zu.

Und was machst du dann?
Ich verbringe so viel Zeit wie möglich mit meiner Tochter und  gehe manchmal mit Freunden aus. So wie alle „normalen“ Leute…

A propos „normal“ : In einem Interview hast du mal erzählt, du würdest ein ganz normales Leben führen. Wie ist das möglich – wirst du da nicht immer auf deine Rolle als Show Girl angesprochen und ständig um Autogramme gebeten?
Ich habe nunmal ein öffentliches Image und muss diesem Rechnung tragen. Das ist eine Entscheidung, die ich vor vielen Jahren getroffen habe. Es stört mich aber überhaupt nicht, im Gegenteil, ich bin froh, dass die Dinge gut laufen. Privat sehen mich die Leute, die mich mögen, als Michelle und das ist gut so.

Gibt es manchmal Tage, an denen du lieber nicht im Rampenlicht stehen würdest?
Kaum. Mein Job gefällt mir so gut, dass ich nicht das Bedürfnis verspüre, mich abzuschotten. Es geht mir immer gut, wenn ich unter den Leuten bin. Und sollte ich trotzdem mal nicht so gut drauf sein, richte ich es mir ein, dass ich zu Hause bleiben kann. Es ist nur eine Frage der Organisation.

Hast du auch privat immer ein Lächeln im Gesicht?
Meistens, doch auch ich habe meine traurigen Momente, die ich aber weder den Personen, die ich liebe, noch dem Publikum anhängen will. Es ist mir wichtig, Freude und Leichtigkeit rüberzubringen. 

Hast du ein Lebensmotto?
Ja -  „Ein Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag“ von Charlie Chaplin.

Hast du auf beruflicher und privater Ebene einen Wunsch, den du dir in nächster Zeit erfüllen möchtest?
Ich bin voller Wünsche und träume ständig, wie alle anderen auch. In beruflicher Hinsicht würde ich gerne eine Komödie drehen, zum Beispiel mit  Jim Carrey oder Ben Stiller, die ich sehr gut finde. Die privaten Wünsche behalte ich für mich…

…okay, akzeptiert.…Themawechsel: Du bist erfolgreich wie noch nie, arbeitest im italienischen und deutschen Fernsehen und füllst nun mit einer eigenen Show die Theatersäle. Hast du dich eigentlich schon mal gefragt, warum du so beliebt bist?
Oh, non lo so, ehrlich gesagt,  ich weiss es nicht. Da müsste man schon das Publikum fragen… (lacht). Nein, Spass beiseite, das ist der Grund, warum ich mich so glücklich schätze und davor hüte, mich je über irgendetwas im Showbusiness zu beschweren, was ich jeweils auch meinen Kollegen ans Herz lege.

In welcher Rolle – sei es als Moderatorin, Show Girl, Sängerin oder Schauspielerin – fühlst du dich am ehesten dich selber?
Alle Rollen, die ich verkörpere, habe ich selber gewählt und mit dem Herzen entschieden. Es gibt keine Rolle, die mir mehr entspricht als eine andere. Ich mache alles mit viel Liebe.

Gibt es etwas, was du an dir selber verabscheust?
(schnell und überzeugt) Nein. Nein, denn auch die Dinge, die mir nicht gefallen, habe ich in all den Jahren gelernt, zu akzeptieren und zu lieben. Das rate ich jeweils auch jungen Mädchen; man muss das Beste aus sich selber herausholen.

Also konzentrierst du dich auf die starken Punkte?
Genau. Und akzeptiere alles andere. Was hingegen den Charakter anbelangt, bin ich der Meinung, dass man mit über 30 in der Lage sein sollte, sich selber im Griff zu haben und zu kontrollieren.

Du bist 33 und in deiner gänzlich autobiografischen Theateraufführung machst du dir erste Gedanken übers Aelterwerden, sprichst aber auch viel von deiner Kindheit in der Schweiz. Was für Erinnerungen kommen dir da spontan hoch?
Mein Vater ist Tessiner, aus Lugano. Ich erinnere mich an die Momente mit ihm, wo wir in irgendein Grotto zum Essen fuhren, mitten in der Natur. Alles war sehr gut organisiert und sehr sauber. Zudem habe ich die Tessiner als sehr sympathische Leute in Erinnerung.

Und was für eine Beziehung hast du zur Deutschschweiz?
Alle meine Kindheitserinnerungen verbinde ich mit der Deutschschweiz. Die Schweiz  ist mein Land, meine Wurzeln sind dort und sie hat mir wirklich viel gegeben. Vor allem, was Erziehung, Disziplin und Schulsystem anbelangt. Jetzt fühle ich mich sehr zuhause in Italien, weil ich mir alles hier aufgebaut habe.

Du könntest dir also nicht vorstellen, irgendwann einmal in der Schweiz zu leben?
Momentan nein, denn alle meine Angehörigen leben in Italien und ich fühle mich dort zuhause. Aber wer weiss, sag niemals nie, wenn ich etwas älter werde,  bekomme ich vielleicht Lust, in der Natur zu leben und zu meinen Wurzeln zurückzukehren.

Was die schweizerische Kultur und Mentalität anbelangt, was ist deiner Meinung nach der positivste und der negativste Aspekt?
Die Schweiz wusste sich in ihrer Vergangenheit immer zu verteidigen, nicht zuletzt deshalb, weil die Schweizer untereinander immer einen starken Zusammenhalt pflegten und es dem Land ermöglichten, eine Art „kleiner Igel“ in Europa zu werden. Die Schweizer haben es geschafft, Stärke zu zeigen und haben daraus auch viel Selbstsicherheit gezogen. Demnach gibt es wenig Arbeitslosigkeit und alles funktioniert sehr gut. Zum negativen Aspekt  möchte ich mich lieber nicht äussern, man würde es mir übelnehmen….(lacht)

Mir als Auslandschweizerin in Italien zum Glück nicht….Spass beiseite – welche Facetten von all diesen Kulturen, die du in deiner Person vereinst, möchtest du deiner Tochter weitergeben?
(lange Pause) aaaaaaa…schwierige Frage. Wir Eltern versuchen immer, stets alles Gute an unsere Kinder weiterzugeben, obwohl uns das nicht immer gelingt, denn niemand ist perfekt, aber wir tun dies aus Liebe. Ich versuche, Aurora zu vermitteln, dass man im Leben hart arbeiten muss, um etwas zu erreichen, immer. Und dass man die Dinge nie aus einem einfachen oder oberflächlichen Blickwinkel heraus betrachten sollte.

Was du ja aus eigener Erfahrung sagen kannst. Wie steht es mit deiner neuen Erfahrung im Theater, hast du das Gefühl, dass du dadurch beruflich gewachsen bist?
Ja, auf jeden Fall. Es ist eine wunderschöne und grosse Erfahrung, die ich schon immer machen wollte. Ich war bis anhin wenig auf Theaterbühnen, höchstens für ein Cabaret, aber für eine Show, die aus dem Nichts entstanden ist und für die wir ein Jahr lang hart gearbeitet haben, ist das schon eine grosse Emotion.

Dezember 2010

Mi scappa da ridere

Das Stück ist ihre Biografie, ihr Leben bis heute, bis zu ihrem 33.Lebensjahr. Sie nimmt sich dabei selber auf die Schippe, ist ironisch und selbstkritisch, fragt sich, was sie denn bis jetzt in ihrem Leben vollbracht hätte und zieht Vergleiche mit Charlie Chaplin oder Mozart. Lacht über den Beginn ihrer Karriere, als sie zum „schönsten Po Italiens“ gekürt wurde und sie alle von hinten fotografieren wollten, stellt Vermutungen an, wie sie wohl in zwanzig Jahren aussehen wird, geliftet oder nicht. Und  liest aus einem überdimensionalen Buch die Geschichte, die ihr Leben geprägt hat, die Liason mit ihrem Märchenprinzen. Die Moral: Es waren so viele, die diese Geschichte erzählten, dass zum Schluss auch der Märchenprinz und die Prinzessin nicht mehr wussten, wie ihnen geschah…


"La Hunziker"

Michelle und Sarah Coppola-Weber, nach dem Interview.

..."Plötzlich aber tut sich eine Gelegenheit auf: Die beliebte Auslandschweizerin tourt mit ihrer Show „mi scappa da ridere“ (ich muss lachen) durch verschiedene Theatersäle Italiens und macht auch in meiner Nähe Halt. Ihr Konterfei lacht schon seit Wochen von etlichen Plakaten in der ganzen Region herab und wirbt für das Stück, das aus ihrem Leben erzählt  – Grund genug für mich, dieser Sache mal nachzugehen. Michelle ist auf Promotion-Tour, was für Journalisten ein offenes (Interview)-Türchen bedeutet. Wäre da nicht die nette Dame vom Pressebüro, die trotz Werbestrategie mit Argusaugen auf die Abgeschottenheit ihrer Mandantin achtet und Interviews nur tröpfchenweise, und wenn, dann per Telefon, gewährt. Und  zwar in sogenannt „toten Momenten“, während der Star von einem Ort zum anderen chauffiert wird. Beim zweiten Anlauf ist es endlich soweit und ich habe das Show Girl am anderen Ende der Leitung"…