22. Mai 2012
Werbung






Eine Italienerin an der Spitze von Ikea

Simona Scarpaleggia, Country Manager Ikea SchweizInterview mit Simona Scarpaleggia, Country Manager von IKEA Schweiz und ehemalige Präsidentin von Valore D, dem ersten Verein, der sich dazu verpflichtet hat, für die Gleichstellung der Frauen in der Wirtschaft und im Management zu kämpfen.

Frau Scarpaleggia, seit 1. Mai 2010 amtieren Sie als National Director CH bei IKEA in Spreitenbach. Und das nach 10-jähriger Erfahrung bei IKEA, zuletzt in der Position der stellvertretenden Country Managerin von IKEA in Italien. Wie fühlen Sie sich in der Schweiz, fehlt Ihnen Italien ein wenig?
Ich bin sehr glücklich hier, weil die Schweiz ein sehr organisiertes Land mit einer hohen Lebensqualität ist. Bei IKEA haben wir eine sehr starke Unternehmenskultur, und die Mitarbeiter fühlen sich fast überall auf der Welt ein bisschen zu Hause. So kann ich sagen, dass ich nicht im negativen Sinne von diesem Transfer betroffen wurde.
Ich vermisse natürlich einige Dinge wie die Lebensmittel oder die Kunst Italiens. Ich vermisse auch die sozialen Kontakte. In diesem ersten Jahr in Zürich ist es mir noch nicht gelungen, viele soziale Kontakte zu knüpfen, und ich kann auch noch nicht Deutsch, geschweige denn Schwiizertüütsch, sprechen. Grundsätzlich fühle ich mich aber schon sehr wohl hier in der Schweiz.

Interesse an Design und Konzentration auf Qualität sind Faktoren, die Schweizer Kunden schätzen. Stehen diese Kriterien auch für den globalisierten IKEA-Konzern?
Der Schweizer Kunde ist sehr anspruchsvoll und steuert seine Entscheidung im Preis/ Leistungsverhältnis. Er ist immer sehr gut informiert durch den Vergleich im Internet und durch Vergleiche mit Einkäufen im Ausland. Die Schweiz ist ein kleines Land und es ist jetzt für jedermann möglich und erschwinglich, in Deutschland, Frankreich oder Italien zu shoppen. Der typische Schweizer hat die Eigenschaft, nicht immer das absolut Billigste zu kaufen, sondern er legt Wert auf ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. Im Vergleich zu den italienischen Kunden pflegen die Schweizer eher einen traditionellen Einrichtungsstil. Italiener sind trendbewusster und haben eine starke Verbindung zur Mode. Die Schweizer sind eher auf Qualität und auf klassisches, puristisches Design konzentriert.

Schweden und die Schweiz sind Länder, in denen "nachhaltiges Denken" aktiv gelebt wird. Beide Länder nutzen hochmoderne Umwelttechnologien und erneuerbare Energiequellen, und es gibt eine Menge Respekt für die Umwelt und alles was im Zusammenhang mit Öko-Nachhaltigkeit steht. Sind diese Analogien zukünftige Gewinner für das Marketing?
Der Swiss-Client, im Gegensatz zu den italienischen Kunden, ist sehr mit Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit der Produkte beschäftigt. Er will die Unternehmen verstehen, wie sie funktionieren, wie die Produkte vertrieben werden, welche Materialien verwendet werden usw. Dieser Gedankengang kann man nur noch in Schweden so konsequent gelebt finden. Und dies ist keine Modeerscheinung, sondern die Zukunft unseres Planeten und die Gesundheit der zukünftigen Generationen! IKEA hat nachhaltige Umweltmassnahmen vor allem im Hinblick auf die Minimierung der Auswirkungen auf unser tägliches Geschäft durch Logistik-und Produktionsprozesse und durch erneuerbare Energieträger umgesetzt.

Wir versuchen, den Produktzyklus zu verbessern und so umweltfreundlich wie möglich zu arbeiten. Ein Beispiel ist der Kauf von Baumwollfeldern, wo die Verwendung von Pestiziden und die Verwendung von Wasser minimiert ist. Wir fordern unsere Lieferanten auf, moderne Geräte zu benutzen, damit die CO2-Emissionen reduziert werden können. Das meiner Ansicht nach innovativste Konzept, dass auch den Kern dieses Denkens darstellt, ist die nachhaltige Logistikpolitik durch die berühmten IKEA „Flat Packs“. Dadurch werden negative Auswirkungen des Güterverkehrs minimiert. Dann haben wir einen ständigen Research nach noch umweltfreundlicheren und recyclierbaren Materialien einschliesslich Einrichtung. Ein schönes Beispiel ist die IKEA-Erfindung einer „Kartonwabe“. Ein Gegenstand besteht im äusseren aus völlig natürlichem Holz, im inneren implementieren wir anstatt dem Originalmaterial eine Kartonwabe, die man aus dem Bienenstockbau kennt. Das hat zwei Vorteile und keine Nachteile: Wir müssen weniger Material verwenden und können deutlich Logistikkosten durch Reduzierung des Gewichtes sparen.

Nach den Daten aus der Forschung sind 62% der Frauen, die im Ausland in Führungspositionen sind, Single, verglichen mit nur 26% der Männer. Sie aber sind eine Managerin und auch Mutter von 3 Kindern. Was ist Ihr Geheimnis?
Am wichtigsten ist die Organisation, ohne die geht gar nichts. Und das sage ich explizit als Italienerin..., dicht gefolgt von der Solidarität der Familie. Wir sitzen da alle in einem Boot..., und rudern auch in die gleiche Richtung. Es ist aber schwerer als sich das anhört, weil wir uns auf private Einrichtungen (Schulen, Kinderbetreuung etc.) verlassen müssen und auch viel auf der persönlichen Ebene verzichten müssen. Dann gibt es eine Menge Vorurteile und Regeln, die man einfach kennenlernen muss. In Mailand sind alle wichtigen Sitzungen nach 18.00 Uhr, und das ist für eine berufstätige Mutter schwierig. Das erste was ich tat, als ich die Verantwortung hier in der CH übernahm, war, alle Sitzungen auf den Morgen zu legen.  Für das Unternehmen ist es gleich bzw. sogar vielleicht produktiver und für die Mitarbeiter besser, weil planbar.

Welches sind Ihre Aufgaben im daily business?
Ich bin Country Manager für IKEA Schweiz und somit für die 8 Stores (der neunte Standort wird im November in Luzern geöffnet) und die 2.700 Mitarbeitern verantwortlich. Meine Rolle ist eine Mischung aus Verbindungssoffizier zum Hauptsitz in Schweden und der Steuerung der kommerziellen Aktivitäten in der Schweiz hinsichtlich Wachstum, Gewinn und Business Development. Ich habe auch eine Rolle in unserer internen Organisation. Logistik, Supply, Verkauf, Kunden-Service, Personal-und Finanzwesen...., also schon einiges! Wir sind ein Unternehmen, das sehr grossen Wert auf Human Capital legt und ich lege sehr grossen Wert auf die Motivation der Mitarbeitenden. Weil ich glaube, das dies den entscheidenden Unterschied macht. Die tägliche Beziehung zu unseren Kunden ist auch ein grosses Privileg in unserem Business. Damit halten wir den Kontakt zur Realität.

Welches sind die typisch weiblichen Fähigkeiten, die Mehrwerte für ein Unternehmen bringen können, was steckt ganz praktisch hinter Valore D?
Valore D ist der erste Verein, der von grossen Unternehmen in Italien gegründet wurde, um weibliche Führungskräfte in Unternehmen zu unterstützen. Ich gehörte zu den Gründerinnen und ich war auch die erste Präsidentin. Das Ziel dieses Verbandes ist es, die weiblichen Talente an der Spitze der italienischen Wirtschaft zu erhöhen und dies mit greifbaren und konkreten Aktionen. Die Unternehmen haben ein ureigenes Interesse an der Erhöhung der Frauenquote im Unternehmen. Frauen sind bei der Arbeit flexibler und konkreter. Sie sind gute Problemlöser. Und dann haben sie auch eine weiter entwickelte soziale Intelligenz, sie verstehen das Dynamische besser und können vor allem besser damit umgehen. Verschiedene Studien zeigen, dass Unternehmen mit mehr „Gender Diversity“ in Führungspositionen mehr Harmonie und professionellere Organisation erhalten und insgesamt eine bessere Leistung generieren.

Was sind Ihrer Erfahrung nach die Qualitäten, die eine Frau in Führungspositionen zeigen soll und was sind Haltungen, die es zu vermeiden gilt?
Ich bestehe darauf Frauen zu ermutigen, mehr zu sagen, was Sie denken. Höflich, aber bestimmt. Wir dürfen nicht in das Klischee verfallen, dass eine Frau entweder eine Art Diener Ihres Chefs ist oder wie eine Virago super stark sein muss. Jeder von uns hat eine Persönlichkeit und das muss immer Vorrang haben vor Klischees. Eine Frau mit Charakter in allen Situationen, das ist, was eine erfolgreiche Frau in Führungspositionen auszeichnet.

IKEA Produkte tragen das Label "Design und Qualität IKEA aus Schweden". Was sind die Unterschiede zu dem Design „Made in Italy“?
Das skandinavische Design der 50-er Jahre ist das Fundament, das IKEA von Anfang an ausgezeichnet hat. Ob die Zielsetzung überhaupt, das Material, die warme Atmosphäre oder der Stil. Alles ist sehr linear. Natürlich wird in einer globalen Welt dieser Stil immer mehr durch andere Einflüsse „vermischt“, zum Beispiel des japanischen Designs und den auch sehr linearen und schlichten Linien dieses Landes. Der grosse Unterschied zum italienischen Design ist, dass skandinavisches Design sich auf die Funktionalität konzentriert, wohingegen beim italienischen Design die Ästhetik und die besten Materialien dominieren.

Gibt es auch IKEA-Produkte von italienischen Designern?
Im Moment haben wir keine italienischen Designer engagiert. Vor einiger Zeit verkaufte IKEA eine Lampe, die berühmte "Telegonus", die von Vico Magistretti in den 70er Jahren entwickelt wurde. Die Lampe wird immer noch von Artemide produziert.

Paola Volk, Juni 2011

Ikea, Logo


Daten & Fakten

Die IKEA Geschichte beginnt 1943 im kleinen Dorf Agunnaryd in Schweden, als der IKEA Gründer Ingvar Kamprad gerade 17 Jahre alt war. Seitdem ist der IKEA Konzern zu einem riesigen Einzelhandelserlebnis mit 127.000 Mitarbeitern in 41 Ländern herangewachsen und generiert jährliche Umsätze von mehr als 23,1 Milliarden Euro.


Vision und Geschäftsidee

Ikea, GeschäftsideeEs ist unsere Vision bei IKEA, den vielen Menschen einen besseren Alltag zu schaffen. Unsere Geschäftsidee unterstützt diese Vision, indem wir ein breites Sortiment formschöner und funktionsgerechter Einrichtungsgegen- stände zu Preisen anbieten, die so günstig sind, dass möglichst viele Menschen sie sich leisten können.


Verantwortung

Ikea, VerantwortungEs ist unsere Vision, den vielen Menschen einen besseren Alltag zu schaffen. Das beinhaltet, dass wir mit unserem Handeln zu einer Welt beitragen, in der wir verantwortungsvoll mit der Erde, ihren Rohstoffen und den Menschen umgehen. Klar, das ist eine unendliche Aufgabe und manchmal sind wir ein Teil des Problems. Also arbeiten wir hart daran, ein Teil der Lösung zu werden.


Save the Children

Ikea, "Save the Children"Wir bei IKEA sind davon überzeugt, dass alle Kinder ein Recht auf eine gesunde und sichere Kindheit wie Zugang zu guter Ausbildung haben, egal wo sie leben. Aus diesem Grund unterstützt die IKEA Foundation lang- und kurzfristige Programme, die Kindern einen besseren Start ins Leben bieten – 100 Millionen Kinder profitieren davon.


Die unendliche Liste..

Ikea, "die Liste"Jedes Produkt hat einen Lebenszyklus. Wir möchten nachhaltigere Produkte zu niedrigen Preisen anbieten. Also müssen wir analysieren, was wir wie tun – und zwar in jeder Phase des Lebenszyklusses eines IKEA Produkts. So haben wir die Möglichkeit, zu Verbesserungen für Mensch und Umwelt beizutragen. Wir verbessern jede einzelne Phase und führen darüber eine Liste, die unendliche Liste.