Gianna Nannini spricht über ihr aktuelles Album "Gianna Dream"
Text: Bruno Indelicato
Das neue Album von Gianna Nannini «Gianna Dream - Solo i sogni sono
veri» ist vor kurzem erschienen. Es enthält zehn neue Songs, darunter
den Titel «Attimo», der von Cenzo Townshend produziert und im Duett mit
der Schauspielerin Valeria Solarino gesungen wird. «Solo i sogni sono
veri» ist das erste Album der Sängerin, das für das Label RCA/Sony
Music aufgenommen und weltweit vermarktet wurde. Gestärkt durch den
Erfolg des letzten Albums «Grazie» von 2006, bestätigt sich die
senesische Sängerin als internationale Grösse.
Gianna, vor einigen Wochen hast Du dein altes Produktionshaus Universal
verlassen und Dich dafür entschieden, einen neuen Vertrag mit Sony
Music zu unterschreiben. Wie fühlst du Dich?
Man kann sagen, dass ich wieder zu Hause bin. Ich hatte meine
Zusammenarbeit mit RCA/Sony Music bereits mit 16 Jahren begonnen. Jetzt
bin ich wieder mit viel Enthusiasmus empfangen worden.
Bevor das Album erschien, hast Du den Song «Attimo» lanciert. Den Kern
des Songs umschreiben die Worte «Die Liebe kommt in einem Augenblick,
und in einem Augenblick ist sie wieder zu Ende»...
Ja, es beschreibt, was du am Anfang einer Liebe empfindest, aber du kannst dich eben augenblicklich auch am Ende einer Liebe wiederfinden.
Der Song wurde von Cenzo Townshend gemixt, ein Profi, der für seine Zusammenarbeit mit U2 und Snow Patrol bekannt ist.
Ja, er arbeitet mit grossen Interpreten. Ich habe mich während der Zusammenarbeit mit Cenzo sehr wohl gefühlt. Er war der ideale Mann, um meine Art Musik zu mixen, und ich muss wirklich sagen, dass es ihm sehr gut gelungen ist. Meine Stimme konnte sich richtig entfalten und ihre natürliche Frequenz wieder finden. Ich habe Schwingungen herausgehört, die ich seit langem vermisst hatte.
Den Song «Attimo» singst Du im Duett mit der Schauspielerin Valeria Solarino. Sie bringt sozusagen ein wenig «Kino» in die Rockmusik hinein. Wieso gerade sie?
Weil Valeria mit der Modalität ihrer Stimme die verschiedenen Stimmungen des Liedes perfekt interpretieren kann. Im Video des Liedes kommt das noch besser zur Geltung. Sie ist eine wunderbare Schauspielerin. Hätte ich die Szenen gesungen, wäre das ganz anders herausgekommen.
Was sind Träume für Dich? Eine Flucht aus der Realität?
Nein, es ist keine Flucht. Die Realität ist deprimierend, aber Träume sind wahr. Im Vergleich zum letzten Album haben wir mehr Gitarren eingesetzt. Die rockigen Elemente sind genau nach meinem Gusto. Ohne den Produzenten Will Malone wäre das nicht möglich gewesen. Er ist ein richtiger Zauberer dieses Musikgenres. Er hat genau das richtige Kleid für meine Melodie gefunden: sinfonisch und rockig zugleich.
In «Maledetto ciao» kann man afrikanische Rhythmen heraushören. Wie ist dieses Lied geboren worden?
In Namibia lernte ich das Himba-Volk kennen. Ich habe für die Leute gesungen und sie haben wiederum für mich gesungen. Ihren Gesang habe ich auf Tonband aufgenommen und in mein Album integriert. Sie haben mich sehr inspiriert.
Ist Dein neues Album ein Konzeptalbum über die Liebe?
Nein, es ist eher ein Konzeptalbum über den Traum. Die Themen der Lieder sind verschieden, aber in erster Linie geht es mir bei allen meinen Songs um Gefühle.
Viele Dichter und Musiker haben sich schon mit dem Thema Traum auseinandergesetzt. «Gianna Dream» ist also kein Neuland. Du thematisierst die spirituelle Liebe als Traum des Menschen, oder?
Genau. Das Gefühl der spirituellen Liebe ist sehr schwer zu beschreiben, aber musikalisch kann man es durch Passion und Ehrlichkeit ausdrücken. Die Träume sind wahr, weil das, was wir in der Realität leben, nicht ehrlich ist. Unser Leben beschreitet manchmal eine andere Dimension, wie ein Parallel-Leben. Es hört sich sehr wissenschaftlich an, aber so ist es.
Du hast die Zusammenarbeit mit der kontroversen Schriftstellerin Isabella Santacroce erneuert...
Ich wollte mit ihr zusammenarbeiten, weil ich ihr vertraue. Jedes Mal, wenn ich einen Liedtext fertig habe, gebe ich ihn meinen Freunden zum Durchlesen. Manchmal ergibt es sich, dass meine Freunde mich inspirieren und der Text dadurch sogar noch besser wird. Der Liedtext erhält so einen besonderen Wert.
Auch der talentierte Texter Pacifico und der Rapper Fabri Fibra haben mit Dir zusammengearbeitet. Pacifico schrieb den Song «Sei nell’ anima» in Deinem Album «Grazie». In «Tu sei parte di me» singst Du für Fibra den gesungenen Part, hinterlässt somit eine «Stimmspur»...
Ja, ich habe sozusagen eine Spur hinterlassen. Mit Pacifico arbeite ich sehr gerne. Es gibt aber auch viele andere Talente in Italien. Fabri Fibra ist einer von diesen Talenten, und ich habe ihm gerne mein «Stimmtalent» ausgeliehen. Als Gegenleistung hat er mir sein Talent ausgeliehen und mich in neue musikalische Gefilde eingeführt.
Wirst du nach der Promotion auf Tour gehen?
Ja, aber nicht mehr in diesem Jahr. Ich denke, dass ich nächstes Jahr eine Tour durch ganz Europa starten werde.
Kommst Du auch in die Schweiz?
Sicher, ich habe schöne Erinnerungen an die Schweiz und komme sehr gerne. Ich vermisse die Schweizer Fans und kann es kaum erwarten, sie alle wieder zu sehen.
Juni 2009
Wettbewerb: Machen Sie mit und gewinnen Sie eine Gianna Nannini CD.
Preisfrage: Wie heisst die aktuelle CD von Gianna Nannini?
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Bruno Indelicato
Freelance Musik-Journalist
Bruno Indelicatio ist sei 1990 in den Medien tätig. Seine Karriere startete er als Radiomoderator einer italienischen Sendung beim Zürcher Lokalsender Radio Lora. 1993 wechselte er zu Radio 24, dem grössten Schweizer Privatradio.
