11. März 2010
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Interview mit Nek

von Bruno Indelicato

NekNach einer längeren Schaffenspause, die der Vollendung  seines vorhergehenden musikalischen Werks folgte, hat sich Nek anfangs Jahr mit seinem neuen Album «Un altra direzione» nach seiner letzten Single «La voglia che non vorrei» zurückgemeldet. In seiner bald zwanzigjährigen Karriere mit weltweit 7 Millionen verkauften Tonträgern ist dies seine zehnte Studioarbeit.

Nek ist einer der erfolgreichsten italienischen Künstler ausserhalb Italiens.1991 am Festival in Castrocaro entdeckt, gelang ihm 1997 der Durchbruch in Sanremo mit «Laura non c’è». Sein Album «Lei, gli amici e tutto il resto» wurde 600'000  mal  verkauft. Seine neue CD, produziert mit Alfredo Cerruti und Dado Parisini, ist ein weiteres künstlerisches Reifezeugnis des Popstars aus Sassuolo.

Mit dem Titel «Un altra direzione» wird ein Richtungswechsel suggeriert.  Allerdings handelt es sich dabei nicht um eine umwälzende Veränderung. Oder irre ich mich?

Keineswegs, es hat kein grosser Wechsel stattgefunden. Aber immerhin eine leise Veränderung.

Das Album ist eine Gemeinschaftsproduktion von Dir, Dado Parisini und Alfredo Cerruti. Ein weiterer Schritt im künstlerischen Reifeprozess?

Ich habe fünf Stücke der CD arrangiert. Daher weiss ich nicht, ob man hier bereits von Reife sprechen kann. Das ist für mich absolut natürlich. Die Mitwirkung an der Gestaltung fasziniert mich mehr und mehr.

In den Titeln wie «Se non ami» und «Per non morire mai» widerspiegelt sich Dein Engagement für die Vereinigung ONLUS NUOVI ORIZZONTI, die Hilfe für Menschen in Schwierigkeiten anbietet.

Nun ja, ich gehöre zu den vom Leben privilegierten Menschen. Daher betrachte ich es als meine menschliche Pflicht, anderen weniger Glücklichen beizustehen. Zudem fordert es mich heraus, gewisse Denkmuster zu überarbeiten. Es ist wichtig, den Mitmenschen bewusst wahrzunehmen. Unsere Welt übt sich in Gleichgültigkeit: Zu oft gehen wir unbeteiligt an tragischen Schicksalen vorbei.

In «La musica che c’è» drückt sich Deine ganze Liebe zur Musik aus. Du machst Dir Gedanken darüber, was ohne Musik aus Dir geworden wäre. Was wäre Nek denn ohne seine begeisterten Anhänger geworden?

Ich wäre niemand, so wie alle meine Berufskollegen. Ohne unsere Fans, die uns unterstützen, uns folgen, Karten für unsere Konzerte kaufen, unsere Musik hören, stundenlang vor den Hotels auf uns warten, uns zurufen, ihre Gefühle erleben und uns mitteilen – ohne all das wären wir nichts. In der Tat kreiere ich zwar die Lieder, aber im Moment der Veröffentlichung durch Konzerte und CDs teile ich sie mit allen Menschen, die sie mögen.

Dem Album ging der Titel «La voglia che non vorrei» voraus. Darin erwähnst Du den Moment, wenn eine wichtige Beziehung zu Ende geht. Einen Moment, den man lieber umgehen möchte.

Ja, an diesen Punkt möchte man nicht gelangen. Vielen fehlt der Mut, Auswegloses zu beenden, vielleicht auch der Kinder wegen. Manche haben einfach Angst, Altes zugunsten von unbekanntem Neuem loszulassen, da dies immer ein Wagnis darstellt. Dieser Titel ist all jenen gewidmet, die diese Situation zu meistern versuchen und in ihren Gefühlen tief verletzt sind. In eben diesem Moment wächst jedoch auch der Wunsch nach Befreiung, denn Liebe setzt Freiheit beider Partner voraus. Im Lied löst sich der Zauber auf und befreit den Protagonisten aus seiner Unfreiheit.

Ein Stück trägt den Namen «Nel giorno che verrà». Welchen Tag meinst Du damit?

All jene Tage, an denen sich mir Schwierigkeiten in den Weg stellen. Ich bin überzeugt, dass diese Momente auch durchaus lehrreich sind und mich für weitere Herausforderungen stärken. Nach dem Dunkel folgt das Licht, nach jeder Nacht der Tag. Diese Polaritäten sind unvereinbar, koexistieren aber nebeneinander.

Das Lied «Tira su il volume» ist sozialkritisch. An wen wendest Du Dich genau?


An alle ohne Stimme, Unterdrückten, Ausgebeuteten und all jene, die ihre Rechte nicht einfordern können. Wir haben verlernt, uns zuzuhören. Wollen wir gehört werden, erheben wir unsere Stimme und werden laut. Das ist traurig, aber leider Tatsache.

Deine «Stimmspur» hinterlässt Du auch im Album «I’m walking away» von Craig David. Wie seid Ihr Euch begegnet?

Letztes Jahr hat mich seine Plattenfirma mit dem Vorschlag kontaktiert, ein Duett zu singen. Es hat mir sehr gefallen, meine Stimme seinem Stil des Soul und R&B anzupassen. So haben wir uns kennen- und schätzen gelernt. Vielleicht ergibt sich in Zukunft wieder einmal eine Möglichkeit zur Zusammenarbeit.

 

Juni 2009

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Bruno Indelicato

Bruno Indelicato Bruno Indelicato
Freelance Musik-Journalist

Bruno Indelicatio ist sei 1990 in den Medien tätig. Seine Karriere startete er als Radiomoderator einer italienischen Sendung beim Zürcher Lokalsender Radio Lora. 1993 wechselte er zu Radio 24, dem grössten Schweizer Privatradio.

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