22. Mai 2012
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Raphael Gualazzi: Italien's neuer Jazz Phänomen

Raphael Gualazzi: "Reality and Fantasy"Beim diesjährigen Sanremo-Festival, das 14 Millionen Italiener vor den Bildschirmen bannte, räumte er mit Follia d’amore gleich vier der begehrten Preise ab: den Nachwuchs-Preis, den Medien- und Kritiker- Award, den Publikumspreis und den Preis für die beste Performance. Mit Raphael Gualazzi scheint in Italien ein neuer Stern am Jazzhimmel geboren zu sein.

„Behind The Sunrise“, die erste Single für den frankofonen Teil der Welt, bescherte ihm im März 2011 den Spitzenplatz der französischen iTunes-Charts. Es scheint, als ob sich die ganze Welt dem überaus genügsamen Musiker öffnen will. Er muss keine Hits fabrizieren, um welche landen zu können. Er braucht auch keine Wettbewerbe, die er scheinbar mühelos gewinnt, und erst recht keine Skandale, um sich eine treue Anhängerschaft von Jazzliebhabern zu erspielen. Ob man ihn als „italienischen Ray Charles“ bezeichnen dürfe, wurde er kürzlich gefragt. Er fand die Andeutung in der Frage schmeichelhaft, aber auch komisch. Zu recht, weil es alles schon gegeben hat, Raphael Gualazzi aber nicht.

15 Jahren lang arbeitete der heute 29-Jährige auf die musikalische Vision hin, die sich mit seinem neuen Album erfüllt, das treffenderweise den Titel Reality and Fantasy trägt. 1991, als ganz Europa Melodien gegen Eurodance-Beats eintauschte, entdeckte er im Alter von neun Jahren die Harmonievielfalt des Pianos.

Der junge Musikstudent aus Urbino liess sich von Musiker wie Ray Charles, Roosevelt Sykes, Scott Joplin u.a. beeinflussen. Georgia und New Orleans befanden sich für den musikhungrigen Raphael Gualazzi folglich nicht auf einem anderen Kontinent, sondern in seinen Plattensammlungen.

Das Feuer für Soul, Blues und den Ragtime-Klavierstil war entfacht. Im Winter 2008 trat Gualazzi in Vermont und New Hampshire (USA) am „The History & Mytery of Jazz“ auf, wo u.a. Grössen wie Michael Ray (Sun Ra Arkestra, Kool & The Gang), Steve Ferraris (Charlie Haden), Jamie McDonald, Nick Cassarino, Bob Gullotti und John McKenna mit von der Partie waren. Die Compilation „Piano Jazz“, die in Frankreich im Januar 2008 erschien, beinhaltet den Track Georgia On My Mind, dass Raphael Gualazzi aus seinem Debut-Album auskoppelte. Auf dieser Sammel-CD wirken namhafte Künstler wie Nora Jones, Diana Krall, Ray Charles, Michael Petrucciani, Chick Corea, Duke Ellington u.a. mit.

Im September 2009 trifft er die Ex-Sängerin und Produzentin Caterina Caselli. Der Talentscout lässt sich die Gelegenheit nicht entgehen und bietet Raphael einen Plattenvertrag mit ihrem Label „Sugar“.

Gualazzi wirkt mit seinem jungenhaft-charmanten Blick ein bisschen scheu. Sobald seine Finger aber die Tasten eines Klaviers in Besitz nehmen, wird aus dem Introvertierten ein bedingungslos extrovertierter Charakter.

Jazz ist für Raphael Gualazzi keine Weltanschauung, sondern gelebte Realität, die Form von Ausdruck, auf der alles basiert, was heute als Popmusik bezeichnet wird. Sein Jazz klingt nicht wie Fundamentalismus, sondern wie vor Lebenslust überschäumender Modernismus. Es ist wohl unmöglich, Reality and Fantasy zu hören, ohne die Anmutung von Stevie Wonder zu spüren. Dessen „Music Of My Mind“-Phase wird von Raphael Gualazzi in „Scandalize Me“ aufgegriffen und ins Jahr 2011 geführt. Der Opener, „Icarus“ legt mit seinem warmen, einladenden Uptempo-Refrain das Fundament für Ragtime, Duke Ellington, Fats Walter und Motown-Soul.

Eine Mischung aus amerikanische und italienische Song- und Canzone-Traditionen, sind „Calda Estate (Dove Sei)“ und „Sarò Sarai“ und machen aus dem Interpreten und Komponisten das Bindeglied zwischen afroamerikanischer und italienischer Popkultur. Zwischendrin steht mit „Madness Of Love“ der Song aus Gualazzi‘s Feder, mit dem er sich im Mai dem gesamteuropäischen TV-Publikum beim diesjährigen Eurovision Songcontest in Düsseldorf präsentierte. Nach 14 Jahren italienischer Abstinenz am Eurofestival überzeugte er 120 Millionen Menschen vor dem Fernseher und obendrein noch die Jurymitglieder aus 43 Ländern, die ihn auf Platz 2 wählten. Das Piano-Crescendo „Caravan“ beschliesst sein Album.

Reality and Fantasy liefert mehr als ein Dutzend guter Gründe dafür, dem überbordenden Talent Raphael Gualazzi Gehör zu schenken und ein Konzert zu besuchen. Die Schweizer Konzertpremiere findet am 2. Oktober im Zürcher Kaufleuten statt.

Bruno Indelicato, September 2011
 

Konzert: Sonntag, 2. Oktober 2011, 20.00 Uhr, Kaufleuten Zürich
Band: Raphael Gualazzi, vocals/piano - Christian Chicco Marini, drums/percussions - Alex Gorbi, bass/doublebass - Luigi Faggi Grigioni, trumpet/flugelhorn - Max Valentini, saxophone - Enrico Benvenuti, saxophone - Giuseppe Conte, guitar

Raphael Gualazzi im Interview

Raphaeil Gualazzi: "Reality and Fantasy"

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Vorverkauf Konzert 2.10.11 Kaufleuten Zürich

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Winner San Remo 2011

Raphael Gualazzi: Reality & Fantasy


Wettbewerb

3x2 Eintrittskarten für das Konzert von Raphael Gualazzi haben gewonnen: Giulio Enea, Beatrice Panzeri und Margherita Mangiatordi. Herzlichen Glückwunsch!


Link Video "Follia d'Amore"

Raphaei Gualazzi: Link Video