Zucchero: Vom Sänger zum Buchautor
Zucchero versüsst mir schon seit je her das Leben. Spass beiseite - der emilianische Sänger und Komponist begleitet mich schon von Kindesbeinen an durch die Höhen und Tiefen des Alltags. Seine Musik mag ich in jeder Gefühlslage hören, eine Tatsache, die ich von ganz wenigen Musikern behaupten kann. Die erste Begegnung mit seiner Musik hatte ich mit ungefähr neun Jahren, als mir meine Tante ein selber aufgenommenes Tape zusteckte und ich mich fortan während des Velofahrens übers ostschweizerische Flachland von „Overdose D'Amore", „Diavolo In Me" oder „Sana E Consapevole Libidine" per Walkman berieseln liess. Sex, Religion und Frauen, wusste ich schon damals, das waren seine Themen.
Nun, rund zwanzig Jahre später bin ich mit dem Auto unterwegs im Magratal, zwischen Sarzana und La Spezia, höre in voller Lautstärke die Songs von „Chocabeck" und sinniere darüber, wie es wohl möglich ist, dass Zucchero nach so vielen Jahren seiner Musiker-Karriere immer noch so einmalige Lieder komponiert - Texte, die unter die Haut gehen und Melodien, die Emotionen hervorrufen. „L'alba ai granai, filtra di qua dal monte" In meinem Blickfeld die Apuanischen Alpen, die in schönster Morgensonne erstrahlen und hinter denen sich Zuccheros Anwesen „Lunisiana Soul" (eine sprachliche Mischung aus „Lunigiana" und „Louisiana") befindet. Bis jetzt standen die Sterne noch nicht günstig für einen Besuch in seinem Reich, aber wer weiss... Persönlich getroffen habe ich ihn vor elf Jahren, im Rahmen der Präsentation des Albums „Shake", wo er mitten im Grünen, unweit von Bologna, einen tollen Anlass für die Presse organisiert hatte und eigens dafür Marktstände mit Früchten und Gemüse aufbauen und sogar „Zucchero"-Geld drucken liess. Tags darauf folgte ein Round-Table-Interview während des Mittagessens und wenige Glückliche, darunter ich, kamen in den Genuss, mit Zucchero zu tafeln!
Und nun sein Buch, „Il suono della Domenica", der Klang des Sonntags. Wie klingt der Sonntag bei Dir? Mir Zucchero in schriftlicher Form einzuverleiben treibt mir fast Tränen der Rührung in die Augen, so aufgeregt bin ich beim Anblick seines 293 Seiten langen Werkes. Alles, was ihn je beschäftigte, was er erlebte und durchmachte ist in diesem Buch beschrieben. In einer einfachen Sprache - jener der Strasse - wo Adelmo kein Blatt vor den Mund nimmt und die Dinge beim Namen nennt. Er lässt uns teilhaben am holprigen Weg bis zum heiss ersehnten Erfolg und lässt nachfühlen, wie lange es dauerte, bis er sich im Musikbusiness als italienischer Sänger mit Blues im Blut etablieren und beweisen konnte. Er genehmigt uns einen unverblümten Einblick in das anfangs einfache Leben eines „ragazzo di campagna", eines Landeis, der sich oft in den Fängen der Panik befand und weder ein noch aus wusste. Auch dann, als er bereits auf den hohen Wogen der Erfolgs segelte. Es ist spannend zu erfahren, wo und unter welchen Umständen seine grössten Hits entstanden sind. Man lernt ihn besser kennen und verstehen und kann nachvollziehen, wofür die Songs stehen.
Er brauche Authentizität, gibt er gegen Ende des Buches zu, „genuinità", und setze auf Werte, gesunde, einfache und klassische Werte. Von denen es in der heutigen Zeit viel zu wenige gebe. Und immer wieder seine Hommage an den Sonntag, an die Klänge und Töne dieses speziellen Wochentags, der früher mit feinen Gerichten zelebriert wurde und der heute an Bedeutung eingebüsst hat. Diese Töne seien ihm abhanden gekommen, die Töne der Orgel in der Sonntagsmesse, das Rumoren der Pfannen für den sonntäglichen „pranzo", Erinnerungen an vergangene Zeiten, die in „un soffio caldo" wieder hochkommen und die Atmosphäre dieser Zeiten noch einmal hochleben lassen.
Sarah Coppola-Weber, Februar 2012
Buch "il romanzo della mia vita" - Mondadori 2011, ISBN- Nummer. 978-88-04-61383-1
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