Florenz mit allen fünf Sinnen entdecken
In der toskanischen Hauptstadt sprühen Geschichte und Kultur aus allen Poren - kein Wunder, gilt Florenz als Geburtsstätte der Sprache, Kunst und Mode, wie seine Bewohner stets stolz betonen. Der „Modus vivendi" von einst ist zum heutigen Lifestyle geworden; die antiken Geschäfte haben ihre Eleganz von damals bewahrt und doch ihre Produkte der Zeit angepasst. So auch die Stadt, die mit der Modernisierung Schritt gehalten, ihr Kunsthandwerk aber wie ein Goldschatz gehütet und über die Jahrhunderte hinweg beibehalten hat. Noch immer werden gewisse Handwerkskünste vererbt und viele Geschäfte von Familien betrieben. Go-Italy hat die Stadt mit allen fünf Sinnen entdeckt..
Zum Riechen: In der „Antica Farmacia Santa Maria Novella" in die Welt der Düfte eintauchen
In unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs Santa Maria Novella befindet sich die „Officina Profumo-Farmaceutica di Santa Maria Novella", eine historische Apotheke, die hauseigene Düfte herstellt und wahre Schätze in ihrem Innern birgt. Man sieht dort Fresken, antike Apothekerinstrumente und historische Möbel - aber das eigentliche Highlight sind die verschiedenen Mischungen von Kräutern und Blumen der Florentiner Hügel, deren unverwechselbares Aroma sich während der langen Lagerung in Tongefässen entfaltet und jeden Besucher mit einem Potpourri aus Düften empfängt. Ueberwältigt von der Schönheit und Sakralität dieses ehemaligen Klosters flüstert man nur noch und bewegt sich langsam und diskret von einem Verkaufssaal zum anderen. Die Essenzen und Parfüms werden teilweise heute noch nach den gleichen Formeln wie damals bei der Gründung im Jahr 1612 hergestellt; der Erfolg des „Kölnisch' Wasser" beispielsweise nahm dort seinen Anfang. Eugenio Alphandery hat vor 18 Jahren nach einer 186 Jahre andauernden Schliessung der Apotheke neues Leben eingehaucht. Seither ist er ständig damit beschäftigt, die Produkte zu erneuern und zu verbessern und gleichzeitig die historischen Wurzeln des Unternehmens zu bewahren. Der aus einer Stofffamilie stammende Ingenieur tüftelt derzeit an einem neuen Ladenkonzept und an der Totalrestauration der Gebäude. Dafür zieht er sich gerne in seine Büroräumlichkeiten im Obergeschoss zurück, der ehemaligen Abt-Wohnung, von der man sagt, zwielichtige Kräfte würden dort ihr Unwesen treiben: „Alles Quatsch", sagt er überzeugt und zeigt auf den Innenhof des Klosters und die Ruhe, die er ausstrahlt: „Ich mag keine Leute, die an übersinnliche Kräfte glauben." In seinem „Ufficio della sera", dem Abendbüro, schaltet er nach einem ereignisreichen Tag ab und konzentriert sich auf die kommenden Projekte - so etwa der 400-Jahr-Feier im nächsten Jahr, zu der eigens zwei limitierte Düfte kreiert worden sind - „Ottone" für die Herren, „Porcellana" für die Damen. Da hätte die einstige Sponsorin, Caterina de Medici, ihre reinste Freude gehabt. Das Konzept von unterschiedlichen Herren- und Damendüften hat die originelle Parfumgeschäftskette „L'Olfattorio" über Bord geworfen - dort steht der Duft im Vordergrund und nicht, ob dieser nun männlich oder weiblich ist. In fünf verschiedenen „Bar a Parfums" in ganz Italien kann man die Düfte in eigens dafür geschaffenen Kelchgläsern „degustieren".
Zum Tasten: In der „Casa Dei Tessuti" einen Hauch historischen Luxus auf der Haut spüren
In der Via De‘ Pecori, einen Steinwurf vom „L‘Olfattorio" und dem legendären Battistero (Taufbecken) entfernt, befindet sich das unscheinbare Stoffhaus, das, ganz traditionell, in den Händen der Familie Romoli liegt und die Besucher zurück zu den Anfängen des Stoffhandels führt - etwa mit antiken Kassen oder alten Bildern an der Wand, welche die Geschichte des edlen Materials zu erzählen wissen. Die Atmosphäre ist ruhig, fast meditativ, und jegliches Geräusch und Gespräch wird von den vielen Stoffrollen gedämpft. Die „Bottega", wie sie von den Inhabern liebevoll genannt wird, gehört zu den wichtigsten weltweit; zählen doch zu deren Kunden etwa die Königin von Holland, Sophia Loren oder Shar. Hunderte von eleganten und wertvollen Stoffen stehen zur Auswahl; für die Verarbeitung ist die hauseigene Schneiderei zuständig. Ein Laufmeter Stoff kostet gerne mal 50 Euro: „Wir wählen nur das Beste, wir sehen uns als eine Art Sommeliers für Stoffe", betont Romolo Romoli. Wie man das macht, das Beste vom Besten zu erkennen? „Es ist reine Uebungssache, jeder Stoff wird von allen Inhabern ausgiebig diskutiert."
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Zum Sehen: In San Miniato al Monte die Stadthektik hinter sich lassen
Für eine wunderschöne Aussicht über ganz Florenz (und kurze Pause vom Sightseeing) ist man in San Miniato al Monte am richtigen Ort: Zu bewundern gibt es dort eine romanische Basilika aus dem Jahr 1080, den herrschaftlichen „Palazzo dei Vescovi", den Bischofspalast, einst Sommerresidenz der Florentiner Bischöfe und natürlich die atemberaubende Aussicht auf die Stadt. San Miniato erreicht man in einer halben Stunde über die Treppen vom Piazzale Michelangelo aus; für Leute mit weniger Ausdauer gibt es auch Busverbindungen vom Zentrum.
Zum Hören: Im „Giardino di Boboli" dem Vogelgezwitscher lauschen
Die schönsten Florentiner Geräusche sind in den verschiedenen Gärten zu vernehmen, denn dort ist man dem Stadtlärm fern und kann dem Vogelgezwitscher lauschen. Der „Giardino di Boboli", gleich hinter dem Palazzo Pitti, lädt mit seinen verwinkelten Ecken zum Schlendern und Verweilen ein. Mit den vielen Wiesen, Wegen und Wäldchen und den Kunstwerken aus der Römerzeit sieht er einem Freilicht-Skulpturenmuseum ähnlich. Auch ein Amphitheater darf bewundert werden, das in seiner Mitte einen ägyptischen Obelisken beherbergt.
Zum Schmecken: Schlemmen in der Pasticceria und Trattoria
Kulinarische Höhenflüge sind in Florenz an der Tagesordnung, allerdings ist es in so einer touristischen Stadt schwierig, den Weizen vom Spreu zu trennen, und ein richtiges florentinisches Lokal von einer Touristenfalle zu unterscheiden. Gleich hinter dem Domplatz in einer Seitengasse liegt die Trattoria „Da Lino", ein schnörkelloses Lokal, übersichtlich und geschmückt mit Bildern von Künstlern, die bei Lino einkehrten und ihm zum Dank ein Bild schenkten. Lino Amantini ist für die Gaumenfreuden zuständig und serviert seinen Gästen bodenständige Florentiner Hausmannkost. Etwa „Pappardelle all'anatra", Teigwaren mit Entengulasch, oder „Ossobuco alla fiorentina", Kalbshaxen in Gemüsebrühe, mit einem guten Glas Chianti. Dazu gehört natürlich, beim Nachtisch ein paar Cantuccini in den Vin Santo zu tauchen. „Die Qualität auf dem Teller ist mein oberstes Gebot", sagt er und hat sich zum Ziel gesetzt, als neuer Präsident der „Federazione Italiana Esercizi Pubblici" der Provinz Florenz, welcher gleichermassen Restaurant-Betreiber und Hoteliers angehören, die Qualität anzuheben. Was man ihm gerne glaubt, wenn man ihm so gegenüber sitzt und seinen Küchengeschichten lauscht. Ob es nun am Gläschen Wein liegt oder der natürlichen Schönheit der sympathischen Stadt am Arno -eines ist klar: Florenz ist eine nimmermüde Stadt - sie buhlt um die staunenden Blicke eines jeden Besuchers und verzaubert diesen mit ihrem Charme. Wer die Stadt einmal mit allen fünf Sinnen entdeckt und dazu über den Ponte Vecchio und die Piazza della Signoria geschlendert ist, den wird es immer wieder hierher ziehen.
Weitere Infos: www.firenzeturismo.it
Riechen: www.smnovella.it, www.olfattorio.it
Tasten: www.casadeitessuti.com
Schmecken: www.ristorantedalino.it
Hören: www.firenzemusei.it/boboli
Sehen: www.san-miniato-al-monte.com
Tipps: Bei einer Anreise mit dem Auto empfiehlt es sich, am Stadtrand zu parken (etwa beim Gratis-Parkplatz am Gemüsemarkt, dem „mercato ortofrutticolo" in unmittelbarer Nähe des Flughafens) und dann mit dem Bus ins Zentrum zu fahren (viale Guidoni, Bus Nr.22)
Text: Sarah Coppola-Weber