Lagunenstadt im Frühlingszauber
Venezia – schon der Name tönt nach Romantik, Rialto-Brücke und Rinascimento. Ein Besuch in der Lagunenstadt im Frühling ist ein Geheimtipp; denn wann lohnt sich ein Besuch mehr als kurz nach dem Rummel des Karnevals und bevor die ersten Touristenscharen zum Saisonauftakt wieder in die Lagunenstadt strömen?
Venedig gleicht einer alten Geliebten, die jedes Mal aufs Neue erobert und umschmeichelt werden will und die den Liebhaber auf die verschiedensten Arten in ihren Bann zieht. Sie hat ihren ganz eigenen Charme, legt ihre Kunstschätze offen dar und ist in ihrer Schönheit ungebrochen.
Der aufdringliche, omnipräsente Geruch von Meerwasser und totem Fisch, die labyrinthisch verschlüsselten Gässchen, die dann und wann in einer mittelgrossen Piazza münden, um sich an deren Ende wieder in die Hinterhöfe zu verkeilen, die verträumten Winkel, an denen Touristencafés oder Marktstände untergebracht sind, die romantischen Brücken, die den Besucher augenblicklich den Fotoapparat zücken lassen: All das ist Venedig.
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Schnell ist man abseits vom Touristenstrom; man braucht nur in eine Seitengasse abzubiegen und schon ist man mitten im Labyrinth und hat das Gefühl, weit weg zu sein. Venedig mit Stadtplan auf eigene Faust zu entdecken und zu erleben, ist eines der schönsten Dinge, die es in der Lagunenstadt zu tun gibt. Ausser den vielen Kunstschätzen nachzuspüren, Museen und Ausstellungen zu besuchen und den Gondolieri bei ihrer Arbeit zuzusehen, während man selber bei einem Espresso in einem Café sitzt.
Die Bandbreite von Aktivitäten ist sehr lang, die Zeit jedoch meistens zu kurz. Das Gute liegt im Einfachen – und die Stadt einem zu Füssen, wenn man sich offen und neugierig auf sie einlässt und nicht einfach mit dem Fotoapparat durch die Gassen rennt und Winkel für Winkel verewigt, die man zu Hause dann doch nicht mehr einordnen kann. Welche Calle war das jetzt? Ist das nun der Campo San Lorenzo oder nicht? Venedig ist voller Ueberraschungen, die unverhofft auftauchen – da ein nettes Plätzchen, dort eine unscheinbare Kirche….
Doch je unscheinbarer gewisse Orte wirken können, desto mehr Popularität steckt in den legendären Sehenswürdigkeiten. Kaum jemand verlässt Venedig, ohne nur einen kleinen Blick auf die bekannte Rialtobrücke geworfen zu haben und, wenn auch nur kurz, über die Piazza San Marco geschlendert zu sein. Venedig entdecken – doch wie? Autos gibt es keine zu sehen, die bleiben am Stadtrand stehen oder auf dem Festland (wo die Tarife wesentlich günstiger sind) in Mestre.
Von dort aus gibt es gute Bus- und Zugsverbindungen. So findet der Verkehr hauptsächlich auf dem Wasser statt; per vaporetto kommt der Besucher an fast jeden beliebigen Ort. Ob nun der Kurierdienst angerauscht kommt, die Polizei ihre Patrouillen einsetzt oder die Ambulanz einen Transport verübt: Alles passiert auf dem Wasserweg. Diese Einzigartigkeit bleibt jedem Besucher im Gedächtnis haften und so zieht die Lagunenstadt so manchen Liebhaber wieder aufs Neue in ihren Bann….
Sarah Coppola-Weber, April 2011