Reisetipp: Torino
Dr. Marco Montini ist Direktor der italienischen Zentrale für Tourismus (ENIT) für die deutschsprachigen Länder.
Wir sprachen mit Dr. Marco Montini über das Reiseziel Italien, über
lohnende Sehenswürdigkeiten für die kommende Wintermonate sowie seine
persönlichen Italien-Tipps.
Herr Montini, wie viele Schweizer haben Italien letztes Jahr besucht?
Marco Montini
2007
bereisten rund 1,7 Millionen Schweizer unser Land. Es wurden insgesamt
7,2 Millionen Übernachtungen verzeichnet. Unsere Gäste aus der Schweiz
schätzen unser touristisches Angebot: Sie lieben unsere Kunststädte,
unsere Landschaften, unsere Thermalbäder, unsere Küche und besuchen uns
auch gerne, um ihren sportlichen Aktivitäten nachzugehen.
Wo wurden Sie geboren?
Meine Heimatstadt ist Arezzo im Herzen der Toskana.
Und Ihr Lieblingsort in Italien?
Ich
bin meiner Heimat sehr verbunden, und so ist Arezzo auch mein
Lieblingsort. Beruflich bin ich sehr viel unterwegs, und so ist es für
mich sehr entspannend, wenn ich meine Freizeit in meiner Heimatstadt
verbringen kann. Was gibt es Schöneres, als auf der Piazza Grande einen
Cappuccino zu trinken und dem lebhaften Treiben zuzuschauen. Gleich auf
Arezzo folgt in meiner Favoritenliste Taranto in Apulien. Meine
Lebensgefährtin ist hier zu Hause, und im Lauf der Jahre habe ich den
Stiefelabsatz kennen und lieben gelernt.
Der Winter steht kurz bevor. Wo macht Skifahren in Italien für Schweizer Sinn?
Zu
den renommiertesten Wintersportorten Italiens zählt zweifellos Cortina
d’Ampezzo, wo 1956 die Olympischen Winterspiele ausgetragen wurden.
Erst kürzlich war ich wieder dort und muss sagen, dass mich die
mächtigen Dolomitenzinnen immer wieder faszinieren. Wenngleich unsere
Gäste aus der Schweiz einmalige Wintersportgebiete praktisch vor der
Haustür haben, bin ich mir sicher, dass sie Cortina d’Ampezzo
begeistern wird. Es sind nicht nur die fantastische Lage und das
abwechslungsreiche Wintersportangebot jeder Couleur, sondern auch die
vielfältigen Möglichkeiten des Après-Ski und die herzliche
Gastfreundschaft, die Winterspass für alle garantieren.
Welche italienischen Destinationen empfehlen Sie für Nichtskifahrer im Winter?
Nichtskifahrern
möchte ich im Winter den Besuch unserer zahlreichen Kunststädte
empfehlen. Die Kulturkalender sind hier prall gefüllt: Interessante
Ausstellungen, Konzerte und natürlich auch Opernaufführungen, oft in
neuen Inszenierungen, stehen im Land des Belcanto auf dem Programm.
Auch die zahlreichen Shoppingmeilen laden mit ihrem viel versprechenden
Angebot zum Einkaufsbummel ein. Wer zu Weihnachten etwas ganz
Besonderes für seine Lieben sucht, wird in Italien mit Sicherheit
fündig.
Geben Sie uns einen Tipp für eine viertägige Reise in einer italienischen Stadt?
Mein
Tipp für eine viertägige Reise ist Turin im Piemont. Im Piemont nahm
die Slow Food Bewegung ihren Lauf und ist in nur wenigen Jahren zu
einem wahren Lebensstil geworden. So versteht es sich von selbst, dass
Ess- und Trinkkultur hier ganz besonders geschätzt werden.
Dementsprechend überzeugend ist das kulinarische Angebot.
Neben
Feinschmeckern kommen auch Shopping-Begeisterte auf ihre Kosten.
Kilometerlange Laubengänge ermöglichen die Erkundung von Turin auch bei
Regenwetter. Entlang verlockend dekorierter Schaufenster bummelt man
hier ungehindert von einem Highlight zum nächsten. Turin bietet sowohl
Luxus als auch Ausgefallenes, Antiquitäten als auch moderne
Designer-Produkte.
Beim Bummel durch Turin – übrigens Italiens
erste Hauptstadt – sollte man den Blick immer wieder mal nach oben
richten, um Fassaden, Giebel und Fenster zu betrachten. Denn die
Gebäude, Strassenzüge und Standbilder erzählen die Geschichte Turins
und seiner Architektur.
Wer eine Pause einlegen möchte, geniesst
in einem der vielen historischen Turiner Cafés einen Bicerin, ein
traditionelles, köstliches Schokoladengetränk. Überhaupt ist Turin für
seine Schokoladenspezialitäten bekannt. Das erste Schokoladengetränk
wurde hier schon im 17. Jahrhundert serviert. Noch heute wetteifern die
Chocolatiers, welche die Kakaobohnen immer noch selber mahlen, wer die
fantasievollsten Schokoladen kreiert.
Was hat Turin kulturell zu bieten?
Turin
hat auch kulturell einiges zu bieten. Erwähnen möchte ich das Museo
Egizio, das nach Kairo zweitwichtigste ägyptische Museum der Welt, oder
die Galleria Sabauda, eine der bedeutendsten Pinakotheken Italiens, das
Filmmuseum oder das Lingotto, das ehemalige FIAT-Werk, das der
Stararchitekten Renzo Piano in ein multifunktionales Zentrum verwandelt
hat.
Wer die nähere Umgebung erkunden möchte, besucht eines der
zahlreichen Lustschlösser der Savoyer oder unternimmt einen Ausflug in
die nahen Berge.
Und wo kann man in Turin gut essen?
In
Turin hat man hinsichtlich der Restaurants die Qual der Wahl. Die
Vielfalt an netten Lokalen lässt wirklich keinen Wunsch offen. Egal, ob
man die bodenständige Hausmannskost oder die raffinierte Haute Cuisine
bevorzugt, in Turin kommt jeder auf seine Kosten, gerade jetzt im
Herbst, wenn die Trüffel auf dem Markt sind.
Zurzeit ist der
Aperitivo sehr angesagt. Man geht gegen Abend in eines der historischen
Cafés oder in eine Weinbar und probiert kleine köstliche Häppchen vom
Büffet. Das ist übrigens eine gute Gelegenheit, die Turiner kennen zu
lernen, die sich nach der Arbeit auf dem Nachhauseweg gerne mit
Freunden oder Kollegen auf ein Gläschen treffen, um sich über die
neuesten Ereignisse des zu Ende gehenden Tages auszutauschen.
Wir leben in einer veränderungsreichen Zeit. Womit bringen Sie den Begriff «Change» in Verbindung?
Change
steht für Wandel oder Veränderung, und ohne Wandel gibt es keinen
Fortschritt. In den letzten Jahren hat sich unsere Welt durch Computer
und vor allem das Internet dramatisch verändert. Neue Technologien
stellen täglich neue Anforderungen an uns, denen wir uns nicht
entziehen können, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Change impliziert
eine gewisse Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem.
Herr Montini, wir danken Ihnen für dieses Interview.
Interview: Antonio Iacovazzo, November 2008