11. März 2010
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Reisetipp: Torino

Marco MontiniDr. Marco Montini ist Direktor der italienischen Zentrale für Tourismus (ENIT) für die deutschsprachigen Länder.

Wir sprachen mit Dr. Marco Montini über das Reiseziel Italien, über lohnende Sehenswürdigkeiten für die kommende Wintermonate sowie seine persönlichen Italien-Tipps.

Herr Montini, wie viele Schweizer haben Italien letztes Jahr besucht?  

Marco Montini
2007 bereisten rund 1,7 Millionen Schweizer unser Land. Es wurden insgesamt 7,2 Millionen Übernachtungen verzeichnet. Unsere Gäste aus der Schweiz schätzen unser touristisches Angebot: Sie lieben unsere Kunststädte, unsere Landschaften, unsere Thermalbäder, unsere Küche und besuchen uns auch gerne, um ihren sportlichen Aktivitäten nachzugehen.

Wo wurden Sie geboren?
Meine Heimatstadt ist Arezzo im Herzen der Toskana.

Und Ihr Lieblingsort in Italien?
Ich bin meiner Heimat sehr verbunden, und so ist Arezzo auch mein Lieblingsort. Beruflich bin ich sehr viel unterwegs, und so ist es für mich sehr entspannend, wenn ich meine Freizeit in meiner Heimatstadt verbringen kann. Was gibt es Schöneres, als auf der Piazza Grande einen Cappuccino zu trinken und dem lebhaften Treiben zuzuschauen. Gleich auf Arezzo folgt in meiner Favoritenliste Taranto in Apulien. Meine Lebensgefährtin ist hier zu Hause, und im Lauf der Jahre habe ich den Stiefelabsatz kennen und lieben gelernt.

Der Winter steht kurz bevor. Wo macht Skifahren in Italien für Schweizer Sinn?
Zu den renommiertesten Wintersportorten Italiens zählt zweifellos Cortina d’Ampezzo, wo 1956 die Olympischen Winterspiele ausgetragen wurden. Erst kürzlich war ich wieder dort und muss sagen, dass mich die mächtigen Dolomitenzinnen immer wieder faszinieren. Wenngleich unsere Gäste aus der Schweiz einmalige Wintersportgebiete praktisch vor der Haustür haben, bin ich mir sicher, dass sie Cortina d’Ampezzo begeistern wird. Es sind nicht nur die fantastische Lage und das abwechslungsreiche Wintersportangebot jeder Couleur, sondern auch die vielfältigen Möglichkeiten des Après-Ski und die herzliche Gastfreundschaft, die Winterspass für alle garantieren.


Welche italienischen Destinationen empfehlen Sie für Nichtskifahrer im Winter?
Nichtskifahrern möchte ich im Winter den Besuch unserer zahlreichen Kunststädte empfehlen. Die Kulturkalender sind hier prall gefüllt: Interessante Ausstellungen, Konzerte und natürlich auch Opernaufführungen, oft in neuen Inszenierungen, stehen im Land des Belcanto auf dem Programm. Auch die zahlreichen Shoppingmeilen laden mit ihrem viel versprechenden Angebot zum Einkaufsbummel ein. Wer zu Weihnachten etwas ganz Besonderes für seine Lieben sucht, wird in Italien mit Sicherheit fündig.
 
Geben Sie uns einen Tipp für eine viertägige Reise in einer italienischen Stadt?
Mein Tipp für eine viertägige Reise ist Turin im Piemont. Im Piemont nahm die Slow Food Bewegung ihren Lauf und ist in nur wenigen Jahren zu einem wahren Lebensstil geworden. So versteht es sich von selbst, dass Ess- und Trinkkultur hier ganz besonders geschätzt werden. Dementsprechend überzeugend ist das kulinarische Angebot.

Neben Feinschmeckern kommen auch Shopping-Begeisterte auf ihre Kosten. Kilometerlange Laubengänge ermöglichen die Erkundung von Turin auch bei Regenwetter. Entlang verlockend dekorierter Schaufenster bummelt man hier ungehindert von einem Highlight zum nächsten. Turin bietet sowohl Luxus als auch Ausgefallenes, Antiquitäten als auch moderne Designer-Produkte.

Beim Bummel durch Turin – übrigens Italiens erste Hauptstadt – sollte man den Blick immer wieder mal nach oben richten, um Fassaden, Giebel und Fenster zu betrachten. Denn die Gebäude, Strassenzüge und Standbilder erzählen die Geschichte Turins und seiner Architektur.

Wer eine Pause einlegen möchte, geniesst in einem der vielen historischen Turiner Cafés einen Bicerin, ein traditionelles, köstliches Schokoladengetränk. Überhaupt ist Turin für seine Schokoladenspezialitäten bekannt. Das erste Schokoladengetränk wurde hier schon im 17. Jahrhundert serviert. Noch heute wetteifern die Chocolatiers, welche die Kakaobohnen immer noch selber mahlen, wer die fantasievollsten Schokoladen kreiert.

Was hat Turin kulturell zu bieten?
Turin hat auch kulturell einiges zu bieten. Erwähnen möchte ich das Museo Egizio, das nach Kairo zweitwichtigste ägyptische Museum der Welt, oder die Galleria Sabauda, eine der bedeutendsten Pinakotheken Italiens, das Filmmuseum oder das Lingotto, das ehemalige FIAT-Werk, das der Stararchitekten Renzo Piano in ein multifunktionales Zentrum verwandelt hat.
Wer die nähere Umgebung erkunden möchte, besucht eines der zahlreichen Lustschlösser der Savoyer oder unternimmt einen Ausflug in die nahen Berge.

Und wo kann man in Turin gut essen?
In Turin hat man hinsichtlich der Restaurants die Qual der Wahl. Die Vielfalt an netten Lokalen lässt wirklich keinen Wunsch offen. Egal, ob man die bodenständige Hausmannskost oder die raffinierte Haute Cuisine bevorzugt, in Turin kommt jeder auf seine Kosten, gerade jetzt im Herbst, wenn die Trüffel auf dem Markt sind.  
Zurzeit ist der Aperitivo sehr angesagt. Man geht gegen Abend in eines der historischen Cafés oder in eine Weinbar und probiert kleine köstliche Häppchen vom Büffet. Das ist übrigens eine gute Gelegenheit, die Turiner kennen zu lernen, die sich nach der Arbeit auf dem Nachhauseweg gerne mit Freunden oder Kollegen auf ein Gläschen treffen, um sich über die neuesten Ereignisse des zu Ende gehenden Tages auszutauschen.

Wir leben in einer veränderungsreichen Zeit. Womit bringen Sie den Begriff «Change» in Verbindung?
Change steht für Wandel oder Veränderung, und ohne Wandel gibt es keinen Fortschritt. In den letzten Jahren hat sich unsere Welt durch Computer und vor allem das Internet dramatisch verändert. Neue Technologien stellen täglich neue Anforderungen an uns, denen wir uns nicht entziehen können, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Change impliziert eine gewisse Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem. 

Herr Montini, wir danken Ihnen für dieses Interview.

Interview: Antonio Iacovazzo, November 2008

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