Toto' Schillaci e le notti magiche..
Buongiorno Salvatore, wo hältst Du Dich in diesem Moment auf?
Momentan bin ich in Sestriere, um mit Baresi und Antonioni unseren Sponsor Peroni Bier für die WM vorzustellen.
In einigen Tagen beginnt die WM, daher ist es praktisch unmöglich, mit Dir nicht auch über die magischen Nächte der WM von 1990 reden zu wollen. Während jener WM wurde der Name Toto Schillaci zur Legende, ein italienisches Märchen, welches Dich zum internationalen Star gemacht hat. Welches sind die bleibenden Eindrücke jenes Abenteuers?
Das Ganze war für mich eine Überraschung, da ich nicht einmal mit einer Teilnahme gerechnet hatte. Ich wurde als Letzter ins Team einberufen, was der Erfüllung eines Traumes gleichkam. Mit diesem grossen Erfolg habe ich nie gerechnet, wenngleich ich mein Bestes gegeben habe. Tatsächlich mutet es wie ein Märchen an und ich bewahre mir wunderbare Erinnerungen und nicht beschreibbare Gefühle an diese Momente auf.
Erzähl uns von Deinem berühmten Kopfball gegen Österreich, siehst Du dies als eine Art Vergleich für Italien – ein kleiner Stürmer umgeben von beeindruckenden Verteidigern?
Das war wohl ein paradoxes Goal: ich inmitten zweier Pfosten, die seitliche Flanke von Vialli war dermassen straff, dass der Ball genau auf mich zuhielt, obwohl die beiden österreichischen Stürmer genau vor mir standen. Wenn ich zurückdenke, glaube ich manchmal an die Schicksalshaftigkeit solcher Momente, welche nicht erklärbar sind. Vielleicht war es wirklich das Schicksal, welches diesen Ball genau mir zuspielte.
Deine Karriere in Italien endete als Dreissigjähriger 1994 mit Deinem Wegzug nach Japan, als erster Italiener spielst Du in Asien und wirst dabei zum Idol. Weshalb dieser Entschluss?
Die Zeit war gezeichnet von etlichen Unfällen und dieses Angebot erreichte mich in einer für einen Fussballer schwierigen Zeit. Ich war aus der Top-Liga bereits ausgeschieden und hätte dieses Niveau nicht mehr halten können. Zugegebenerweise habe ich nebst der Faszination eines Lebens in diesem Land auch wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt. Ich war wohl der erste italienische Spieler im Ausland und wirkte somit als Türöffner für etliche meiner Kollegen mit gleichen Absichten.
Für einen Sizilianer war die Umstellung bestimmt nicht einfach. Welche Erfahrungen hast Du gemacht und was hast Du am meisten vermisst?
Im Vergleich zum Emigranten habe ich eine privilegierte Situation vorgefunden. Ich verfügte über einen Übersetzer, einen Fahrer und konnte mich voll und ausschliesslich auf das Spiel und Training konzentrieren. All die grundsätzlichen Erfahrungen eines Einwanderers blieben mir erspart. Manchmal vermisste ich Italien, vor allem im letzten Jahr, den italienischen Lebensstil, die mir teuren Orte und natürlich meine Familie.
Welchen typischen Eindruck hinterlässt Italien in Japan, allgemein im Ausland?
Die Japaner lieben und bewundern die italienische Mode, die Küche und unsere mit Kunst reich bestückten Städte. Wir sind allseits willkommen und ich bin nie auf eine negative Einstellung gestossen, sondern nur auf grosse Sympathie für uns und unseren guten Geschmack.
Heute bist Du mit Deiner Fussballschule LOUIS RIBOLLA zum Unternehmer avanciert. Was waren die Beweggründe?
Die Liebe zum Sport und zum Fussball haben mich dazu bewogen, am Ort des Beginns meiner Karriere tätig zu werden. Ich glaube fest an die Bedeutung und den Wert des Sports für die neue Generation. In dieser Schule kann ich meine Erfahrungen sehr sinnvoll und höchst befriedigend weitergeben, denn es ist freudvoll mitzuverfolgen, wie aus Fünf- und Sechsjährigen kleine Fussballsternchen werden.
Wieso hast Du Dich nicht dem Training und Aufbau neuer Spieler zugewandt wie viele Deiner Kollegen?
Das Leben eines Spielers ist durch die dauernden Trainings und Rückzüge entbehrungsreich, auch wenn Du gut dafür bezahlt wirst. Ein Teil Deines Lebens zerrinnt Dir, da Du es ausschliesslich dem Fussball widmest. Ich habe mir eine Tätigkeit ausgesucht, welche mich begeistert und mir auch Zeit lässt, mich all den schönen Dingen zu widmen, auf welche ich bisher verzichtet habe. Als Trainer hätte ich grosse Verantwortung getragen und wäre somit wieder mit Entbehrungen und Verzicht konfrontiert worden, dies wollte ich nicht mehr.
Welchen Rat gibst Du einem Jungen, der seine Aufmerksamkeit zulasten der Schule auf den Fussball richtet?
Wichtig ist der frühzeitige Beginn als 13, 14, maximal 15-Jähriger in einer guten Schule. Diese wichtigen 3 Jahre bis zum Profi müssen effizient und maximal ausgenutzt werden. Daneben braucht es unbedingt Ernsthaftigkeit und Engagement für gute Resultate. Ausserdem rate ich davon ab, sich auf diese Berufswahl zu versteifen, denn wenn mit 17, 18 Jahren nicht die nötigen Resultate vorliegen, würde das Ganze zur Enttäuschung.
Und Dein Rat an einen Spieler, der seine Karriere beendet?
Ich empfehle weiterzuarbeiten, in den Fussball zu investieren und jene Dinge anzugehen, in welchen er Kompetenzen und Erfahrung hat. Viele abtretende Spieler wagen sich auf unbekanntes Gebiet vor und scheitern vielfach auch mit ihrem Vermögen daran.
Der Fussball hat sich in den letzten 20 Jahren sehr verändert und ist mehr zum Geschäft geworden. Ist das Märchen des Toto Schillaci heute noch möglich?
Nichts ist unmöglich und ich wünsche mir, dass an dieser WM ein Spieler vielleicht meine Erfahrung wiederholen kann, viele Goals zu schiessen und damit zum Symbol einer Nation und der Nationalmannschaft zu werden.
Danke für Deine Verfügbarkeit und Deine Sympathie und auf ein Wiedersehen am 12. Juni in Zurich (Event Gente di Mare)!
Paola Volk, Juni 2010